Während ich diese Zeilen schreibe, befinde ich mich selbst wieder in einer Trauerphase. Vor vier Tagen habe ich etwas erfahren, was mich persönlich sehr (be-)trifft. Genaueres dazu kann ich im Moment noch nicht schreiben.

Was ich aber schreiben will und muss ist, wie es mir in den letzten Tagen damit ergangen ist. Denn, auf der einen Seite sage ich, dass ich „Expertin“ für Trauer bin, andere Menschen dabei begleiten und ihre Ressourcen stärken möchte. Ich will Wege aufweisen, Menschen bestärken die Trauer zuzulassen und Möglichkeiten des Trostes und des Kraftschöpfens zuzulassen.

Und was mache ich? Zuerst einmal habe ich gedacht „so schlimm trifft es mich ja gar nicht“, direkt wissend, dass dies so nicht stimmt. Dann habe ich erstmal alles weggedrückt, zum Glück nur für kurze Zeit. Dann dachte ich „ach, damit komm ich schon allein klar“ und dann endlich hat es „KLICK“ gemacht.
Ich habe gemerkt, dass ich automatisch in meine alten Verhaltensweisen zurückgefallen bin, sehr wahrscheinlich einfach deshalb, weil sie noch so stark in mir verankert sind. Und diese Verhaltensweisen waren in der Vergangenheit nie gut für mich. Unterdrücken? Alles mit mir allein ausmachen wollen? Meine Betroffenheit nicht annehmen? Und dann wieder mal unter der unterdrückten Trauer mehr leiden als an der akuten?

Zum Glück bin ich lernfähig und nun, einige Tage später weiß ich auch, dass ich es diesmal deutlich besser für mich händeln konnte. Ich habe erstmal den Schrecken als solchen angenommen, er ist ja eh da. Dann kamen auch die Tränen und die habe ich auch zugelassen. Ich habe mir in meinem Umfeld Trost und Kraft geholt, indem ich erzählt habe, was mich belastet und allein das darüber reden an drei, vier „Stellen“ (also damit sind natürlich Menschen gemeint) hat mich schon sehr entlastet. Jetzt geht es mir schon besser, weil ich um Hilfe gebeten habe und weil ich mir Zeit genommen habe, dies alles einfach so sacken zu lassen.

Natürlich hat dies meinen Plan der letzten Tage etwas durcheinander geschmissen und ich war nicht so „effektiv“, wie ich es mir vorgenommen hatte. Aber ich wäre eh nicht effektiv gewesen, da hätte ich mich noch so anstrengen können. Und diese Energie habe ich eben nicht unnütz in irgendwelche Anstrengungen gesteckt, sondern in Gedanken, wie es nun weitergeht und was ich mir Gutes tun kann. Ich war sanft zu mir und wohlwollend!

Wenn ich das vor einigen Jahren doch schon gekonnt hätte! Jetzt bin ich stolz auf mich, denn es hat natürlich auch Mut gekostet, die Trauer zuzulassen und das wird weiterhin Mut erfordern.
Aber – so schlimm es ist, ich habe wieder erlebt, was Trauer bedeutet. Und ich hoffe, dies für euch gut vorleben zu können, denn nur „Ratschläge“ zu geben, wäre nicht echt.

Wie es nun weitergeht? Ich weiß es nicht. Ich lasse es auf mich zukommen …