Der Duft von frischem Hefegebäck, der schon durch die Wohnung zieht, bevor es fertig ist, dass ist so tröstlich, heimatlich, vertraut. Und dann das fertige Backwerk, ob Blechkuchen (am liebsten Pflaumenkuchen) oder ein Hefezopf, frisch angeschnitten, noch dampfend, das macht warm ums Herz und das ist es, was wir brauchen.

Und wie soll jetzt die Herstellung von Hefeteig Gemeinsamkeit haben mit dem Trauern? Wenn ich alle Zutaten in der Schüssel habe und zu rühren beginne, dann sieht das darin erstmal schrecklich aus, ein Riesendurcheinander mit dem noch staubigen Mehl, den glitschigen Butterstückchen und dem Ei, was so durch die Knethaken glibbert. Ich denke dann immer: „Das wird doch nie was!“ Und so ist es beim Trauern doch auch, oder? Ein riesiges Durcheinander, was man am liebsten gar nicht anschauen möchte.

Dann knete ich weiter (also der Mixer macht das) und ich mache dabei einfach die Augen zu oder gucke aus dem Fenster. Nicht immer die beste Methode, aber hierbei auf jeden Fall. Wenn der Teig dann doch – oh Wunder – zu einem Großen und Ganzen geworden ist, dann darf und muss er auch in Ruhe gehen können. Also decke ich die Schüssel mit einem sauberen Handtuch ab und stelle sie an einen warmen Platz. Ahnt Ihr schon was? Ja, was brauchen wir in unserer Trauer??? Wärme, Ruhe und Zeit. Der Hefeteig will auch nicht, dass ständig einer an dem Handtuch zuppelt und drunter schaut, ob er denn schon „wird“. WÄRME, RUHE und ZEIT!

Wenn er dann genug gegangen ist (früher dachte ich immer 30 min reichen, heute lasse ich ihn auch mal zwei Stunden stehen), dann kommt der nächste Vergleich.

Ich entnehme ihn und knete ihn auf einer bemehlten Fläche ordentlich durch. Was heißt ordentlich? Wenn uns unsere Trauer wütend macht, dann kann hier auch mal der Teig mit einiger Wut (bitte nicht an die Wand klatschen) bearbeitet werden. Okay, ich weiß, dass ich jetzt von Fachleuten bestimmt Schelte bekomme, aber es ist ja unser Hefeteig und unsere Trauer. Also gib`s ihm. Tut das nicht gut?

Und dann verarbeitest Du den Teig einfach weiter zu dem, was er mal werden soll. Wenn es mir um den Trost und den „schnellen“ Erfolg (Vorsicht: Hefeteig mag keine Hektik), dann forme ich in einfach zu einem Brot, schneide 3-4 mal schräg ein und backe ihn (bei 180 Grad Ober- und Unterhitze, ca. 40 min). Pflaumenkuchen und andere flache Gebäcke benötigen weniger Zeit.

Ist das nicht tröstlich?

Grundrezept Hefeteig:

  • 500 g Mehl
  • 250 mlMilch
  • 60 g Butter oder Margarine
  • 60 g Zucker (für süßen Teig)
  • 1 Ei
  • 1 Würfel frische Hefe oder 1 Päckchen Trockenhefe

Also, ich beginne damit, dass ich die Milch in der Mikrowelle erwärme und dann die Butter (oder Margarine) dort hinzufüge, dann kann die nämlich weich werden bzw. schmelzen. Dann gebe ich alle anderen Zutaten (außer dem Ei) in eine Schüssel und gieße das warme Milch-Butter-Gemisch darüber. Wenn dies nicht mehr zu heiß ist, was mir ab und zu passiert, dann erst kommt das Ei dazu, da sonst die Gefahr besteht, dass es schon vor dem Kneten gerinnt, ups.